Unser Whisky
hat seine ganz eigene Seite
Mit dem Whisky ist es wie mit einem eigensinnigen Kind: Man macht sich viele Gedanken, wie es werden soll, überlegt sich, was man tun kann, um es in die rechte Bahn zu lenken - und dann gelingt es doch ganz anders. Nicht unbedingt schlechter, nur anders, Kinder haben eben ihren eigenen Willen. So ists beim Whisky auch. Und das ist auch gut so.
Die Intention und was daraus geworden ist: Wer jemals versucht hat aus Kuhmist ein gutes Bier zu machen, ist ein Depp. Da kann nix gutes bei rauskommen, außerdem gibt es das Reinheitsgebot, das derlei Zutaten verbindet. Genauso unsinnig wäre das Ansinnen aus Malz einen Whisky zu machen, der in seiner Komplexität mit der Relativitätstheorie verglichen wird (er ist vergleichsweise relativ komplex), in seiner romantischen Harmonie an Griegs „Åses Tod“ heranreicht.
Drum probiert’s auch keiner. Es hat trotzdem geklappt, nicht aufgrund bewußter Suche, sonder aus Zufall. Wir wollten eigentlich einen Whisky für den wohlverdienten Feierabend nach sich endlos dahinziehender, langweiliger, nervtötender Arbeit mit unbeabsichtigt fiesen Kollegen kreieren, dann ist das dabei herausgekommen.
Für den wohlverdienten Feierabend nach sich endlos dahinziehender, langweiliger, nervtötender Arbeit mit unbeabsichtigt fiesen Kollegen empfehlen wir jetzt ein Bier, oder 2.
Die Intention: William Rowan Hamilton war ein irischer Mathematiker und Physiker. Er hat sich eine ganz eigene Mathematik zur Beschreibung der klassischen Mechanik ausgedacht.
Max Plank war als junger Mann unschlüssig, ob er Physiker oder Musiker werden soll. Ein Lehrer riet ihm zur Musik, da in der Physik schon alles Bedeutende erforscht sei und nur noch ein paar Lücken zu schließen sind. Er hat nicht auf seinen Lehrer gehört. Die vermeintlichen Lücken erwiesen sich als Weg zu einer viel größeren Wahrheit, und die klassische Physik ist heute nur noch eine gute Näherung, wenn die Dinge viel größer als Atome sind und viel langsamer als das Licht. Selbst die Zeit hat einen Anfang und ein Ende, und wenn man sich fragt, was vor der Zeit war und was danach kommt ist nicht die Antwort, sondern die Frage selbst Unsinn. „Danach“ und „vor“ sind Begriffe die nur in der Zeit gelten und nicht außerhalb.
Zurück zu Hamilton. Seine Formulierungen der klassischen Physik wären vielleicht eine mathematische Kuriosität geblieben, wenn nicht die Quantenphysiker sie als brauchbares Instrument gefunden hätten eben die Physik zu formulieren, die die klassische Physik von Ihrem Thron stürzte.
Ich sag mal jetzt nur Schrödinger-Gleichung:
Alles was da ist, ändert sich mit der Zeit so wie sich die Änderungen in die Raumrichtungen ändern, proportional zumindest. Und der Proportionalitätsfaktor ist die reduzierte Plancksche Konstante.
Wer das verstehen will, soll Physik studieren. Ich verstehe es nicht. Ich würde es gerne verstehen, aber ein Physikstudium fange ich jetzt nicht mehr an. Drum war meine Intention, diesen nur ein paar verrückten Physikern zugänglichen Zusammenhang fühlbar zu machen.
Wer diese Formel nicht verstehen, aber fühlen will, wer als kanonische Quantisierung sich als Teil der Änderungen wahrnehmen will, die sich mit der Zeit proportional zum Ort ändern, dem sollte dieser Whisky die Türen zu einer ganz anderen Wahrnehmung öffnen.
Wenn ich behauptet habe, dass der Zusammenhang nur wenigen verrückten Physikern zugänglich ist möchte ich damit nicht sagen, dass alle Physiker verrückt sind, sondern, dass die meisten Physiker das auch nicht wirklich begriffen haben. Es haben viele gelernt damit zu rechnen und es kommt ab und an auch irgendwie was Brauchbares raus, aber für die meisten gilt: wenn sie wirklich ehrlich sind haben sie da nicht verstanden was sie tun. All diesen Physikern sollte der angestrebte Whisky einen neuen Zugang zu ihrer Arbeit ermöglichen.
Was daraus geworden ist: Hat leider nicht geklappt. Der Whisky schmeckt aber schön karamellig, malzig, mit dreckigem Rauch und irgendwie süß. Auch schön.
Schlussworte:
Wir haben noch nicht aufgegeben. Wir werden wieder einen Whisky mit der gleichen Intention versuchen. Wer weiß, vielleicht wird diesmal eine Hühnersuppe daraus?